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Wunschberuf Hebamme

Den Beruf der Hebamme stellt man sich zunächst mal sehr romantisch vor – jeden Tag umgeben von glücklichen Schwangeren, niedlichen Babys und überwältigten Müttern und Vätern. In Wahrheit handelt es sich dabei aber um einen knallharten Beruf, der die ausführenden Frauen (die Anzahl der Männer in diesem Berufsbild kann man an einer Hand abzählen) oft an ihre körperliche und psychische Belastungsgrenze treibt. Alleine die Verantwortung, die eine Hebamme trägt kann man sich selbst als Mutter kaum vorstellen und genau das ist das Problem. Denn der Berufsstand der Hebamme ist gefährdet! Kontinuierlich steigende Versicherungsbeiträge halten viele Frauen mit dem Berufswunsch Hebamme davon ab, diesen Weg überhaupt einzuschlagen und viele der rund 23.000 Hebammen in Deutschland sehen sich in ihrer Existenz bedroht, weil sie die hohen Versicherungsprämien für ihre Berufshaftpflicht kaum noch zahlen können. Und die Prämien sollen weiter steigen. Schon jetzt gibt es massive Versorgungsengpässe in Kliniken, die mit freiberuflichen Beleghebammen arbeiten, bei Hausgeburten und in Geburtshäusern. Droht uns eine Unterversorgung in der Geburtshilfe und in der Wochenbettbetreuung?

 

Heute, am Internationalen Hebammentag, möchten wir gerne noch einmal ganz besonders auf die Relevanz dieses Berufsstandes hinweisen und haben dafür mit Anna Thiele gesprochen. Anna ist 28 Jahre alt und kommt aus Hannover. Seit fünf Jahren arbeitet sie als freiberufliche Hebamme und steht werdenden Müttern und Vätern mit Rat und Tat zur Seite. Sie betreut Frauen und Familien in der Schwangerschaft und im Wochenbett. Zusätzlich gibt sie verschiedene Kurse. Im Interview erzählt sie uns von ihrer Leidenschaft für diesen Beruf, den erschwerten Bedingungen und gibt Tipps für eine entspannte Geburt.

 

Foto: © Hebammenpraxis Hannover-Südstadt

 

Liebe Anna, erzähl mal, wie bist Du zu diesem Beruf gekommen?

Anna: Ich wollte schon sehr früh einen Beruf erlernen, in dem ich mich um andere kümmern kann. Als meine Brüder geboren wurden – ich war damals elf Jahre alt – kam eine Hebamme zu uns nach Haus. Es hat mich damals sehr beeindruckt. In der Abiprüfungszeit machte ich dann nebenbei ein Praktikum im Kreißsaal und bewarb mich danach direkt für die Ausbildung. Seit dem bin ich dabei.

 

Wie viele Geburten hast Du bislang schon begleitet?

Anna: Ich biete seit dem Examen keine Geburtshilfe an, da für mich nur außerklinische Geburtshilfe infrage gekommen wäre. Leider sind die Bedingungen dafür in den letzten Jahren nicht gerade einfacher geworden.

 

Und was hältst Du dann von Geburtshäusern oder auch geplanten Hausgeburten?

Anna: Ich finde sie bieten einen tollen Raum für eine natürliche und selbstbestimmte Geburt. Trotzdem finde ich es wichtig, dass jede Frau die freie Wahl ihres Geburtsortes hat.

 

Welche Fragen sollte man im Krankenhaus vor der Geburt unbedingt klären?

Anna: Ich bin generell dafür, dass auch im Krankenhaus die Verantwortung nicht an der Tür abgegeben werden sollte. Es muss also immer Raum für Fragen und Wünsche geben. Eine Geburt ist so etwas Besonderes. Sie ist kostbar und intim. Selbstbestimmung finde ich ganz wichtig. Und dabei werfen sich für jeden ganz unterschiedliche Fragen auf.

 

Was sollte eine werdende Mama im Kreißsaal bei sich haben und was auf gar keinen Fall?

Anna: In erster Linie: Vertrauen in sich und das Kind. Vielleicht auch eine Kleinigkeit zu essen und trinken, Musik oder etwas anderes, was hilft zu entspannen. Zu Hause bleiben sollte ein detaillierter Plan wie man sich die Geburt vorstellt. So etwas klappt nie.

 

Sind Männer bei der Geburt eher Hilfe oder Last?

Anna: Die Partner, oder auch Partnerinnen, können eine ganz große Unterstützung sein. Sowohl während der Geburt, als auch davor. Ein Geburtsvorbereitungskurs kann beispielsweise dabei helfen, dass sich beide Partner gemeinsam auf die Geburt einstellen. Auch den Partnern werden dabei wertvolle Tipps vermittelt, die man vielleicht nicht im Blick hatte.

 

Denkst Du, es ist sinnvoll eine Beleghebamme zu haben?

Anna: Das Belegsystem an sich finde ich sehr gut. Leider wird es nicht flächendeckend angeboten und kommt daher für viele Frauen nicht infrage.

 

Wann würdest Du eine PDA empfehlen?

Anna: Wenn man denkt, man sei jetzt wirklich an dem Punkt, an dem es anders nicht mehr ginge. Es bringt nichts, mit festen Vorsätzen in eine Geburt zu gehen. Am Ende wäre man nur enttäuscht von sich, dass man es nicht ohne PDA „geschafft“ hätte. Man sollte versuchen, sich die Option offen zu halten.

 

Was hältst Du von geplanten Kaiserschnitten (wenn sie nicht gesundheitlich bedingt sind)?

Anna: Ich finde sie sehr bedenklich. Auch mit heutigen Standards ist es immer noch eine große Bauch-OP, die entsprechend mit gewissen Risiken einhergeht. Eine natürliche Geburt würde ich persönlich jederzeit vorziehen.

 

Wirst Du als Hebamme auch für Freundinnen aktiv oder versuchst Du, privates und berufliches zu trennen?

Anna: Manchmal kommt das schon vor, ja. Ich bin aber auch nicht traurig, wenn eine Freundin eine andere Hebamme wählt. Das muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Das kann unter Freunden gut klappen, muss es aber nicht zwangsläufig.

 

Weiter oben hast Du ja bereits erwähnt, dass die Rahmenbedingungen für Hebammen leider zunehmend erschwert werden – führt man den Beruf dann nur noch aus Leidenschaft aus?

Anna: Mein Handy hat heute aus Versehen „HeBammel“ statt „Hebamme“ geschrieben. Das finde ich eigentlich sehr treffend. Zu den schlechten Bedingungen kommen auch immer weitere Forderungen die wir erfüllen müssen und die Angst, am Ende verklagt zu werden, obwohl man sein Bestes gegeben hat. Das kennt wahrscheinlich jede Hebamme.

 

Heutzutage steht man als freiberufliche Hebamme unter dem starkem Druck, kosteneffizient zu arbeiten. Kann man sich dann für eine werdende Mutter überhaupt noch genug Zeit nehmen?

Anna: Druck hin oder her – man muss sich die nötige Zeit nehmen! Auch wenn das dann leider oft auf Kosten der Hebamme geht. Wenn ich beispielsweise für einen Wochenbett-Besuch eine Pauschale bezahlt bekomme, ist es der Krankenkasse egal, ob ich 20 Minuten oder eine Stunde UND Zwanzig Minuten bei der Familie war. Mir als Hebamme ist es am Ende des Tages natürlich nicht egal. Und der Familie auch nicht.

 

Wie siehst Du die Zukunft des Berufs Hebamme? Und was würdest Du an dem Beruf gerne ändern, wenn Du könntest.

Anna: Ich hoffe so sehr, dass sich einiges ändern wird. Es wäre mehr als an der Zeit. Wir könnten uns viel von anderen Ländern abschauen. Der Hebammenberuf ist so grundlegend und sollte auch entsprechend honoriert werden. Wie sagt man so schön: „Auch aus Steinen die dir in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Vielleicht ja mal ein paar schöne neue Geburtshäuser, zum Beispiel 😉

 

Liebe Anna, wir danken dir sehr für deine ehrlichen Worte und wünschen dir und all deinen Kolleginnen weiterhin alles Gute für die Zukunft!

 

Mimi, Lori und Janine

Mimi

Gestatten, Mimi, 31 Jahre alt, Mama vom kleinen Fredpaket (02/2016). In meinem „vorigen Leben“ habe ich was mit Mode gemacht. Heute stürme ich dagegen Babybasare, Spielplätze und Mamicafés - und liebe es! Seit der Schwangerschaft blogge ich über die wichtigsten Dinge im alltäglichen Mama-Wahnsinn, ohne alles zu ernst zu nehmen.

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