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Krippe mit 6 Monaten

Bereits seit einiger Zeit habe ich über Instagram Kontakt zur lieben Michèle (mimiundkruemel), Mama von der zuckersüßen Lélia. Als sie mitbekommen hat, dass ich mir zunächst etwas schwer damit tat, meine Tochter mit 15 Monaten in die Kita zu geben, erzählte sie mir ihre Geschichte und da ich davon überzeugt bin, dass die für ganz viele Mamas da draußen interessant ist, habe ich sie gebeten, ihre Geschichte mal aufzuschreiben.

Liebe Michèle, wir danken Dir ganz herzlich für Deine offenen Worte und den tollen Gastbeitrag. Über eine Fortsetzung, um zu hören, wie die kleine Lélia in der Krippe angekommen ist, würden wir uns sehr freuen!

Viel Spaß beim Lesen!

Lori, Mimi & Janine

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Michèle und Lélia

Heute war es soweit. Wir – das bin ich Michèle, 32 und unsere Tochter Lélia, genau 6 Monate und 2 Tage – waren heute das erste Mal in der Krippe. Die Einführung hat begonnen und obwohl es nur 1,5 Stunden waren schwirrt mein Kopf, denn alle Gedanken, die ich über die letzten Monate immer wieder mal hatte, purzeln gleichzeitig hin und her.

Wir leben seit Kurzem auf dem Land und als ich im vierten (!) Monat schwanger war, bekam ich den Tipp, mich rechtzeitig um einen Krippenplatz zu bemühen. Das ist natürlich nicht so einfach für werdende Mütter, wenn man gefühlt 3 Tage schwanger schon entscheiden soll, ob und wann dieses klitzekleine Lebewesen in eine Betreuung gehen wird. Irgendwie verrückt. Ich bin selbständig und für mich war immer klar, dass ich schnell wieder arbeiten möchte. Rückblickend muss ich sagen, dass ich schwanger zwar glaubte, ganz gut abschätzen zu können, wann der richtige Zeitpunkt wäre, dies sich aber ganz anders anfühlt, wenn das Baby dann erst mal da ist.

Und ich hatte großes Glück: Wenige Minuten vor meinem Anruf in der Krippe hatte eine andere Mutter abgesagt und so bekam Lélia ab September 2017 für 2 Tage einen Platz. Das war im März 2016 und erschien mir Jahre entfernt.

Im Dezember machen mein Mann und ich immer unsere Ziele für das neue Jahr fest und dazu gehört auch, dass wir unsere Werte genau definieren. Denn stimmen die Werte nicht mit dem Ziel überein, fehlt die Motivation und das Ziel rückt in weite Ferne. Wenn es zum Beispiel mein Ziel ist, eine liebevolle Beziehung zu führen, aber unter den ersten drei Werten nur Unabhängigkeit, Reichtum und berufliche Anerkennung stehen, dann werde ich mich nicht auf jemanden einlassen, mich nicht binden und immer die Arbeit über das Privatleben stellen. Nach Familie und mentaler & körperlicher Ausgeglichenheit kam auf meiner Liste im Dezember recht schnell die berufliche Weiterentwicklung. Schneller als ich gedacht habe und mir wurde einiges klar.

Ich liebe es Mami zu sein. Ich fühle mich unglaublich wohl dabei, es ist für mich das selbstverständlichste Gefühl der Welt. Lélia und ich haben unendlich viel Spaß und es fühlt sich wundervoll leicht an. Ich war in meinem Leben noch nie so geduldig und nie so glücklich. Und gleichzeitig bin ich immer noch ich. Ich habe immer noch zwei große Leidenschaften und das große Glück, beide zu meinem Beruf gemacht zu haben. Das Coaching und die Fotografie. Für mich gibt es keine Trennung zwischen Privatem und Beruf in dem Sinn. Ich lebe alles, bin alles. Ich bin Ehefrau und Mami, Coach und Fotografin. In all diesen Dingen steckt so viel von mir, dass ich nicht einfach aufhören kann eines davon zu sein oder zu tun. Es sind essentielle Bestandteile von mir als Michèle.

Und weil ich eine kleine Esotante bin und es tatsächlich passiert ist: einige Tage nachdem ich mir eingestanden habe, dass ich wieder mehr arbeiten möchte, klingelte das Telefon und die Leiterin der Krippe war am anderen Ende. Ein Kind hätte ab April 2017 noch einen Kindergartenplatz bekommen und da ich ihr damals erzählt habe, dass ich selbständig sei, hätte sie an mich gedacht und wollte nun zuerst mir den freigewordenen Platz anbieten, ehe sie die lange Warteliste abtelefonieren werde.

Nun war ich erst mal sprachlos. Zum einen, weil es doch immer so einfach funktionieren kann. Zum anderen war ich nun schon eine Weile Mami und hoffte irgendwie darauf, dass September 2017 Jahre entfernt sein würde. Und… da half nur eines. Absolute Ehrlichkeit mit mir selbst. So wie es eigentlich immer der einzige Weg ist, um weiter zu kommen. Natürlich überschlugen sich meine Gedanken, ich schaute mein 3 Monate altes Baby an und dachte „nie im Leben kann ich dich so früh in die Krippe bringen“. Ich schaute auf meine Anfragen und To Do’s und ein Gefühl von Durchatmen und Ruhe stellte sich ein. Wie ein Vorgeschmack, wie es sich anfühlen würde ungehetzt mal ein paar Vormittage arbeiten zu können. Ich dachte an meine Pläne und es kribbelte irgendwo tief in mir vor Euphorie und Abenteuerlust. Dann sah ich wieder meine kleine Maus an und das Mutterherz übertönte pochend alle Abenteuerlust.

Aber wie es immer so mit Entscheidungen ist, in dem Moment wo man Für und Wider abwägt, ist die Entscheidung längst gefallen. Alles was dann folgt ist – Entschuldigung – mindfucking. Aufzählen von Argumenten, wälzen von „aber“.
Ich wusste was ich wollte, ich musste es mir nur eingestehen, nur auf meinen Bauch hören. (Das „nur“ kann nach belieben ironisch gelesen werden). Was ich wollte war Lélia die beste Mami zu sein, die ich sein kann. Liebevoll, fürsorglich, ausgeglichen. Und dazu gehört für mich neben der Fürsorge und Liebe, die ich ihr gebe auch, mir selbst treu zu sein. Auf mich zu achten. Um ihr diese Mami zu sein, die ich sein möchte, darf ich auch auf mich schauen. Um ausgeglichen zu sein, brauche ich auch andere essentielle Teile, die zu mir gehören. Und es geht darum sich das einzugestehen, ohne schlechtes Gewissen. Zu meinen Aufgaben gehört nicht nur was gemeinhin als selbstverständlich erachtet wird, wie dass ich unsere Tochter ernähre, ihr ein Zuhause biete, sie beschütze. Ihr Werte beibringe, oder wie sie sich in der Welt zurecht findet. Dazu gehört für mich besonders, die gesündeste, glücklichste, entspannteste und fröhlichste Michèle zu sein, die ich sein kann. Verantwortung in erster Linie für mich selbst zu tragen und dafür, dass es mir gut geht. So kann ich meiner Tochter ein Vorbild sein und ihr beibringen, auf sich zu achten, sich zu akzeptieren und zu lieben.

Nun habe ich selbst einen tollen Glaubenssatz, dass man eine hervorragende Mami sein kann, wenn man beruflich seine Träume lebt. Meine eigene Mami hat wieder gearbeitet, als ich gerade 3 Wochen war. Auch sie ist selbständig und konnte mich mitnehmen. Das macht es mir selbst natürlich leichter, denn ich habe sie schon als Kind dafür bewundert, dass sie ihre Träume und Ziele verfolgt und mir ging es immer sehr gut damit.

Und ich muss auch gestehen, dass ich Lélia nie so früh in die Krippe bringen würde, wenn ich nicht ein super Gefühl dabei hätte. Also sowohl was ihre aufgeschlossene Art betrifft, als auch die ganzen äußeren Umstände. Lélia ist ein sehr neugieriges und auch forderndes Kind. Sie hat schon viel Umgang mit anderen Kindern und vom Gefühl her denke ich, dass es ihr nicht nur gefallen, sondern auch gut tun wird.

Außerdem – hier machen sich dann auch mal die positiven Aspekte des Landlebens bemerkbar – kann ich zur Krippe laufen und mir sagen das ganze Konzept, die Örtlichkeit und die Betreuung sehr zu. Es sind 8 Kinder dort und Lélia wird die Kleinste sein. Alles ist sehr individuell, liebevoll und fürsorglich. Ein weiterer Faktor, der für mich wichtig ist, ist die Selbständigkeit. Birgt sie auf der einen Seite auch immer die Gefahr, zu schnell wieder zu viel Arbeit zu haben (ja, selbst und ständig ist nicht nur so dahergesagt) – ist es auf der anderen Seite so, dass sollte es gar nicht gehen, sollte ich nach einer Zeit das Gefühl haben, es tut unserem Kind nicht gut, so kann ich es anders regeln. Ich glaube, dass das nicht ganz so einfach ist, wenn man seinem Arbeitgeber wieder bestimmte Wochenstunden zugesagt hat.

Am Ende kommt es einfach – wie immer im Leben – auf das Bauchgefühl an. Ich denke man darf als Mami nur eben darauf achten, dass man da auch ganz ehrlich zu sich ist und das Bauchgefühl sozusagen pur erfühlen darf und sich erlaubt mal aus der Mutterrolle rauszuschlüpfen und SICH zu sehen. Mutterrolle ist eh ein blödes Wort finde ich, denn es sind ja keine „Rollen“ die wir in unserem Leben übernehmen sollten. Vielmehr ist alles was uns ausmacht, oder um kurz noch tiefer zu gehen, alles von dem wir denken, dass es unser Sein ausmacht, immer nur ein Teil des Ganzen. Das meine ich, wenn ich von essentiellen Bestandteilen von mir spreche. Ich erlebe selbst und kann es sehr gut nachvollziehen, dass es sicher vielen vielen Mamis auch so geht, dass wir immer ein wenig Gefahr laufen uns zu sehr nur noch als eben das zu definieren: als Mami. Aber unser Sein ist geprägt von so viel mehr. Oft höre und erlebe ich, dass Mamas vor lauter schlechtem Gewissen, das Kind mal ein paar Stunden nicht selbst zu betreuen, gar nicht klar denken können. Dabei geht es dann oft nicht mehr darum, dass es für das Kind besser oder schlechter ist, sondern nur noch darum, dass wir uns an diese Rolle so gewöhnt haben, dass wir unser Ich so sehr damit identifizieren, dass wir uns selbst im Weg stehen. Diese strenge Identifikation über Rollen führt nur dazu, dass wir uns daran klammern, uns determinieren auf ein gewisses Bild, einen Ausschnitt. Das gaukelt das Gefühl von Sicherheit vor, macht uns in Wahrheit aber nur eins: unfrei!

Aber hey! Es gibt so viel, was dich ausmacht, was zu dir gehört, dich glücklich macht und wofür du brennst! Ab und zu auf all diese Aspekte einen Blick zu werfen – gerade, wenn es um Entscheidungen geht – ist so wichtig und tut so gut! Es gibt da diesen einen kleinen Menschen, oder gleich mehr davon, für den du alles tust, dem es immer gut gehen soll und der die Nummer 1 ist. Und dann gibt es da noch diesen einen Menschen, auf den du gut achtgeben darfst, für den nur du verantwortlich bist, dass er ausgeglichen ist, gesund und glücklich. Und das bist du selbst!

Ich bin sehr gespannt, wie es sich bei uns mit der Kita entwickelt. Wie es sein wird, wenn ich das erste Mal gehe und Lélia betreut wird. Wie viel ich in der Zeit schaffe, denn ich habe sooo viele Pläne und Ideen! Und sicher werde ich nach einer Weile mal davon berichten, wie es so läuft und sich dann für mich anfühlt.

Alles Liebe

eure Michèle

Janine George

  • Kathi

    Ich hadere auch immer diesbezüglich mit mir, hab mir aber auch eingestanden, dass ich einfach sehr gerne Mama bin und ich mit 40 auch noch Karriere machen kann, wenn ich will. Meine Tochter kommt jetzt ab Oktober zur Tagesmutter. Da ist sie 18 Monate alt. Für mich kaum vorstellbar. Aber ich werde dann arbeiten gehen, weil ich zumindest vor dem zweitem Kind im kommenden Jahr finanziell mit Elterngeld abgesichert sein möchte. Ansonsten würde ich sogar zu Hause bleiben und die Zeit genießen. Denn mich verausgaben kann ich später auch noch. Und so klein sind sie halt leider nur einmal. Anbei arbeite ich auch gerade freiberuflich nebenbei und habe meine Tochter ganz gut integrieren können- ja sogar mitnehmen können.
    Es gibt also kein Richtig und kein Falsch. Man selbst als Mutter muss sich wohl fühlen. Ich hätte es mit 6 Monaten nicht geschafft!

    5. Juni 2017 at 7:49 PM Antworten

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  • Aber umso nher der Flug allmhlich kommt umso grer werdenhellip