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Das Organ mit Mindesthaltbarkeitsdatum – Geburtsbericht

Die Schwangerschaft meines Erstgeborenen endete zu früh, mit einer außergewöhnlichen spontanen Geburt in Beckenendlage. Den Geburtsbericht findet ihr hier. Während ich in der ersten Schwangerschaft um jeden Tag kämpfte und hoffte, dass der kleine Mann sich bis zur Geburt noch einige Wochen Zeit lässt, hatte ich in der zweiten Schwangerschaft ganz andere Sorgen. Mein Kopf machte mir zu schaffen.

Ich hatte eine unglaubliche Angst, meinen Sohn bis zum errechneten Geburtstermin in mir zu tragen. Meiner besten Freundin ist unvorstellbares widerfahren. Sie “übertrug” einige Jahre zuvor ihre kleine Tochter und musste sie, nur kurz nach dem Entbindungstermin, still zur Welt bringen. Es war eine so unglaublich traurige Zeit. Sie kam nach vielen Wochen der Vorfreude ohne ihr kleines Mädchen nach Hause. War sie doch den Tag zuvor noch zur Kontrolle beim Arzt, so verstarb ihr Mädchen, weil die Plazenta nicht mehr ausreichend gearbeitet hat, in der folgenden Nacht. Ist es doch ein Organ, das mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen wird und so wurde ich, Woche für Woche die wir näher an den Termin rückten, nervös.

Meine Freundin rief mich regelmäßig an, um sich zu vergewissern, dass alles ok ist. An einem Tag, als auch bei mir mal etwas Ruhe im Bauch herrschte, fuhr ich ins Krankenhaus. Ich hatte Angst. Ich dachte es stimmt etwas nicht. Die Ärzte nahmen meine Sorge sehr ernst. Ich erzählte ihnen von dem Schicksalsschlag meiner Freundin und meiner immer größer werdenden Panik.

Mit meinem Sohn war alles in Ordnung. Die Plazenta in einem guten Zustand. Im Grunde nicht besorgniserregend. Aufgrund der überlieferten Geschichte entschieden die Ärzte jedoch, mit der Einleitung zu beginnen. Spätestens am errechneten Termin würde man eh einleiten, da ich Schwangerschafts-Diabetes hatte. Ich bekam ein Zimmer und die erste geburtsfördernde Tablette nah an meinen Muttermund gelegt. Im Krankenhaus fühlte ich mich sicher.

Noch in der Nacht bekam ich Wehen. Die diensthabende Hebamme erinnerte sich an mich und die vielen Wochen, die ich zuvor schwanger mit meinem ersten Sohn im selbigen Krankenhaus verbracht habe. Ich durfte noch in der Nacht in den Kreissaal umziehen und bekam dort ein Medikament, um noch etwas zu schlafen. Die Wehen seien noch nicht stark genug.

Und dann äußerte ich meinen Wunsch. Ich bat meine Hebamme, mein Kind nach der Geburt nicht anzufassen. Ich wollte ihn allein bekommen und ICH wollte ihn direkt auf mich legen, nicht gelegt bekommen. Ich hatte den Wunsch, mich nach der Geburt aufzusetzen und meinen Sohn selber zu nehmen. Meine Hebamme sagte, wenn alles ohne Komplikationen verläuft, könnten wir es so machen.

Morgens um 5 Uhr wurden die Wehen immer heftiger. Der Gebärmutterhals war bei 3 cm. Um 7 Uhr rief ich L.’s Papa an, er könne duschen und noch etwas frühstücken, anschließend solle er sich auf den Weg machen. Um 7.30 Uhr hatte ich plötzlich ganz starke Wehen, die Fruchtblase platze und der Muttermund hatte beinahe 10 cm. L.’s Papa schaffte es und glänzte mit einer Anwesenheit von zwei Presswehen bis unser Sohn das Licht der Welt erblickte.

Nachdem der Kopf geboren war, glitt mit der nächsten Wehe der kleine, perfekte Junge auf das Bett im Kreissaal und ich richtete mich auf. Ich nahm ihn und legte ihn auf meine Brust. Die Hebamme schaute kurz nach ihm und lächelte mich an, das war eine Traumgeburt sagte sie. Und das war es. So hatte ich es mir immer gewünscht.

Lorraine Wilhelm

<p>Hi, ich bin Lorraine… Die meisten nennen mich Lori. Wir leben Patchwork 3.0 und bis vor kurzem war ich eine reine Jungsmutter. Buden bauen, Klettern und Fußball spielen kann ich schon seit Jahren. Im Oktober kam unsere kleine Frieda zu uns und nun entdecke ich nicht nur das Leben mit einem Nesthäkchen und dem alltäglichen Wahnsinn unserer zusammengewürfelten Familie, sondern außerdem das Abenteuer Mädchenmama. Schön, dass du da bist! Deine Lori</p>

  • NaneBehr

    Hallo Lori,

    ein schöner Bericht. Die Geschichte deiner Freundin macht mich sehr betroffen. Ich habe auch übertragen und musste irgendwann, entweder kurz vor oder kurz nach dem Entbindungstermin, noch einmal zum Spezialisten. Dieser sollte gucken, ob meine Plazenta unser Märzmädchen noch ausreichend versorgt. Meine Frauenärztin war besorgt, hat mir für “sofort” einen Termin dort besorgt.
    Letztendlich war alles in Ordung, aber wir haben uns ganz schön verrückt gemacht, naja, mein Mann musste mich beruhigen. Ich kann mich noch nicht einmal mehr richtig an das Gespräch bei der Gynäkologin erinnern. Aber so richtig aufgeklärt wurden wir anfangs nicht.

    Liebste Grüße
    Anne

    9. November 2016 at 11:11 PM Antworten

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  • mumlifeontour Wir sind gerade erst angekommen aber schon erholt Dashellip
  • Also verstecken ist nicht mehr Alle schlafen noch nur ichhellip
  • Aber umso nher der Flug allmhlich kommt umso grer werdenhellip