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Zwischen Schwangerschaft, Pille danach und einem schweren Herzen

Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich mit dem Thema anfangen soll. Habe irgendwie Sorge, dass man mich falsch verstehen könnte. Will niemandem in den Rücken fallen; keine Frau verletzten, die sich in meiner Situation eventuell anders gefühlt hätte. Und dabei weiß ich doch gerade selber kaum, was ich davon halten soll. Ob ich mich gut, oder ob ich mich schlecht fühlen soll.

Aber von Anfang an: Ich bin inzwischen 31 Jahre alt und werde demnächst 32. Seit vielen Jahren bin ich mit dem Männe verheiratet. Wir sind ein Herz und eine Seele – meistens. Ok, zumindest manchmal. Gelegentlich auch eher wie das Paar aus „Wer hat Angst vor Virginia Wolf“. Sei’s drum. Ich habe lange studiert und den ganzen Kack damals mit 1,3 abgeschlossen. Habe daraufhin einen Job gefunden. Gearbeitet. Die Modewelt kennengelernt. Als ich mich langsam der magischen 30 näherte, vernahm ich im Hintergrund ein leises Ticken der biologischen Uhr. Jahrelang wollten wir keine Kinder – und plötzlich hatte sich ein Gedanke manifestiert. Wir wagten genau einen Schuss. Und was folgte? Ein Treffer. Habe neun Monate später meinen Sohn zur Welt gebracht. Waren seit dem ersten Tag an schockverliebt. Fred ist inzwischen 16 Monate alt. Wir sind auf’s Dorf gezogen, bekommen keinen Krippenplatz. Habe momentan etwas Angst, den Anschluss zu verlieren, sehe meine Freunde zu selten und ich drehe langsam ein wenig durch …

Tja. So sieht es aus. Damit ihr meine momentane Situation besser einschätzen könnt. Naja. Und dann, irgendwann vor Kurzem, passierte es plötzlich. Ein kleiner… ähm … Unfall. Ihr wisst schon was ich meine. Ich rede von einem dieser erotisch angehauchten Unfälle, die Monate später dein Leben um 180 Grat drehen können. Uff.

Immer lauter wurde mein Verstand – er schrie:

„Weeeeeeehe! Muddi! Bloß kein zweites Kind! Nicht jetzt! Dein Erstgeborener braucht doch erst einmal den Krippenplatz! Und du wolltest wieder anfangen zu arbeiten! Denk an deine Selbstverwirklichung! Und überhaupt! Du wolltest auch wieder mehr Zeit mit dem Männe verbringen – Romantik und so! Seit Freds Geburt habt ihr wie viele romantische Abende verbracht? Einen? Zwei? Maximal! Außerdem befindest du dich nach monatelanger Krankheit erst jetzt wieder auf dem Wege der Besserung! Setzt das nicht auf’s Spiel! Das LETZTE was du momentan brauchst ist ein zweites Kind!“

Kalender geöffnet. Kacke. Wie funktioniert das noch mal mit dem Eisprung und den fruchtbaren Tagen? Kurz gegoogelt. Oops. Ein Schuss. Morgen würde der Eisprung folgen. Ein Treffer wäre also nicht auszuschließen. Mist. Fakt ist: Mein Verstand hatte recht! Ich möchte zur Zeit kein zweites Kind! Ich sprach mit dem Männe. In meiner dezenten, überaus feinfühligen Art fing ich eventuell auch augenblicklich an zu schreien und Vorwürfe zu machen – erinnere mich aber nicht mehr genau daran. Bestimmt auch besser so. Wir überlegten gemeinsam. Wäre die Pille danach nicht vielleicht eine Option? Hm. Ich wusste noch nicht einmal, wie dieses kleine Ding überhaupt funktionierte. Und doch stellten sich mir bereits bei dem Gedanken daran alle Haare zu berge. Ich erinnerte mich, wie ich damals mit Fred schwanger war und plötzlich Zwischenblutungen bekam. Meine Angst. Meine Gebete. Wie könnte ich denn jetzt so hart ins Schicksal eingreifen und eine mögliche Schwangerschaft verhindern?! Und so schnell war die Sache vom Tisch.

Nun hieß es also warten. Was bliebe einem auch anderes übrig. Auf einen Schwangerschaftstest habe ich übrigens nichts gegeben – bei Fred hatte ich damals seit dem Ausbleiben meiner Periode sieben (!) Stück gemacht, die allerdings seltsamerweise bis zur achten Woche ausnahmslos negative Ergebnisse lieferten – obwohl ich mir damals bereits seit dem ersten Tag sicher war. Ach, und was meinen gesundheitlichen Zustand angeht, wäre eine Schwangerschaft laut meines behandelnden Arztes nicht so arg schlimm gewesen.

Im Laufe der nächsten Tage häuften sich gewisse Anzeichen: Mir wurde schlecht, ich reagierte auf Gerüche und bekam tierischen Hunger. Und während ich mir langsam, gaaaaaanz langsam ausmalte, wie sich das Leben eventuell verändern würde, ertappte ich mich bereits dabei, wie ich meinen Bauch streichelte. Wie ich anfing, den Gedanken zu mögen. Wie mein Verstand immer kleiner wurde und sich mehr und mehr mein Herz einschaltete. Vielleicht, ja vielleicht klopfte da wieder einmal das größte Glück an die Tür? Der Gedanke zauberte mir ein Lächeln auf mein Gesicht.

Und so verstrichen die Tage. Ich war bereits zwei Wochen überfällig, als ich plötzlich meine Tage bekam. So stark wie nie zuvor. Ich saß auf dem Klo und weinte.

Und nun, nach einiger Zeit sitze ich hier und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Ob ich wirklich schwanger war, weiß ich nicht. Ich komme mir etwas blöd vor. Kann man überhaupt um etwas trauern, obwohl man nicht weiß, ob es jemals wirklich da war? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es mehr der Gedanke, von dem es mir so schwer fällt, mich zu verabschieden? Auch das weiß ich nicht. Will es auch gar nicht so genau wissen.

Jetzt, wo ich die Gewissheit habe, dass ich nicht schwanger bin, wäre es doch so einfach, mein Herz wieder in den Hintergrund zu schieben. Tschüss Herz! Hallo guter alter rationaler Verstand a là „Puh! Ist ja gerade noch mal alles gut gegangen, wa?! Ein zweites Kind hättest du ja momentan eh nicht gewollt!“. Aber mein Verstand hat gerade nichts mehr zu vermelden. Mein Herz gibt inzwischen den Ton an. Es fühlt sich zwar immer noch schwer an, aber es wird mich auf einen guten Weg führen. Da bin ich mir ganz sicher. Gerne auch zu Viert. Also demnächst. Vielleicht doch ein wenig früher, als es der Verstand vorgeben mag.

Was soll’s! Scheiß auf den Verstand! Hört auf euer Herz!

Halte euch auf dem Laufenden… 😉

Eure Mimi

Mimi

Gestatten, Mimi, 31 Jahre alt, Mama vom kleinen Fredpaket (02/2016). In meinem „vorigen Leben“ habe ich was mit Mode gemacht. Heute stürme ich dagegen Babybasare, Spielplätze und Mamicafés - und liebe es! Seit der Schwangerschaft blogge ich über die wichtigsten Dinge im alltäglichen Mama-Wahnsinn, ohne alles zu ernst zu nehmen.

  • Sina @schwalbenbraut

    Das ist mir gerade ziemlich unheimlich, Mimi, denn genau das ist bei mir passiert. Jetzt gerade! Und ich heule wie ein Loch, obwohl nicht wirklich sicher ist, ob wirklich ein kleines Wesen da war

    5. Juni 2017 at 8:43 PM Antworten
  • Lu

    Wow, habe mich gerade total wiedererkannt. Genau so erging es mir vor 3 Jahren als mein Sohn gut 1,5 Jahre war. Ich hatte starke Menstruationsblutungen, nachdem ich überfällig war. Ich habe dann -warum auch immer!? einen Test gemacht, da die Blutungen auch sehr lange anhielten. Und er war positiv. Der Fötus hats aber nicht überlebt. Missed Abortion nennt man das.. Nach 2 Wochen Krankenhaus und X Bluttest stand fest: Die Schwangerschaft ist def vorbei.
    Habe sehr getrauert. Ich war sooo unglücklich und das einzige was mir über diesen Verlust hinweg geholfen hat war eine neue Schwangerschaft ein paar Monate später. Heute ist mein zweites Kind 1,5 Jahre alt. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern. Schrecklich war das. Und niemand im Umfeld hatte wirklich Verständnis. War ja nur eine frühe Fehlgeburt eines nicht geplanten zweiten Kindes.
    Ich kann dich gut verstehen.

    5. Juni 2017 at 9:56 PM Antworten

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