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Abgestillt!

Jede Stillbeziehung ist anders. Jede Mami geht anders mit dem Thema Stillen um und auch jedes Kind hat ganz individuelle eigene Bedürfnisse. Dies hier ist meine ganz persönliche Geschichte zum Thema Abstillen, die ich gerne mit euch teilen möchte, weil so viele danach gefragt haben. Für uns war es der richtige Zeitpunkt und auch der richtige Weg, aber ich kann nur jeder Mutter empfehlen, ihren ganz eigenen Weg zu finden.

Ich selbst bin kein Stillkind. Bevor ich schwanger wurde habe ich mir auch nie Gedanken über das Stillen gemacht – also auch nicht, ob das für mich in Frage kommt oder nicht. Ehrlich gesagt, ich habe auch vorher niemals irgendeine Mutter stillen sehen, wahrscheinlich weil ich einfach gar nicht darauf geachtet hatte. Als ich dann erfahren habe, dass ich schwanger bin, war es für mich dennoch überhaupt gar keine Frage, dass ich die obligatorischen 6 Monate stillen werde, sofern es denn klappen würde und so habe ich es auch als ein positives Zeichen erachtet, dass das Krankenhaus, für das ich mich entschieden hatte, ein zertifiziertes stillfreundliches Krankenhaus war. Damals habe ich dem noch keine großartige Beachtung beigemessen, aber heute und im Nachhinein weiß ich das sehr wohl zu schätzen!

Dass Stillen gar keine so ganz unkomplizierte Sache ist habe ich das erste Mal realisiert als meine Hebamme versuchte, mich in der Theorie darauf vorzubereiten. Sie zeigte mir die verschiedenen Arten des Anlegens und fütterte mich mit Informationen zu Dauer, Abstand und Menge, aber irgendwie fehlte mir dazu die Vorstellungskraft. Außerdem dachte ich, wenn das wirklich die natürlichste Sache der Welt ist, dann werde ich das wohl auch hinkriegen. Und was soll ich sagen… Kaum lag der Zwerg in meinen Armen, hing sie auch schon an meiner Brust und saugte. Und ich war fasziniert. Als mir die Hebamme dann noch in der gleichen Nacht zeigte, wie ich sie bequem auf der Seite liegend anlege, damit ich dabei weiterschlafen kann war klar – das ist mein Ding und der Anfang einer wundervollen Stillbeziehung zwischen meiner Tochter und mir. Diese Beziehung hielt ziemlich genau 9 Monate an!

Ich liebte das Stillen. Ich genoss die innige Verbindung zu meiner Tochter. Ich fand es wunderschön, ihr beim Stillen zuzuschauen. Es war praktisch, es war unkompliziert und es war günstig. Wenn wir unterwegs waren, war das einzige, an das ich denken musste, Windeln mitzunehmen – alles andere trug ich sozusagen bei mir. Nachts musste ich nicht aufstehen und dank der Tipps der Hebamme aus dem Krankenhaus fehlte mir auch kein Schlaf. So weit so gut!

Dass erste mal, dass ich an meiner Entscheidung pro Stillen zweifelte war nach ca. 4 Wochen, als meine Brustwarzen so sehr schmerzten, dass ich abends beim Dinner mit meinem Mann anfing zu weinen. Ich hielt aber durch, weil mir eine Freundin mit einem 10 Wochen älteren Baby sagte, dass das jetzt so in etwa der Höhepunkt sei und der Schmerz ab sofort täglich nachlassen würde. Und was soll ich sagen, sie hatte recht. Das nächste Mal fing ich an zu zweifeln als meine Tochter, die jegliche Form des unnatürlichen Saugers (Schnuller und Flasche) strikt ablehnte, meine Brust scheinbar als Dauernuckel verstand. Ich hatte zwar keine Schmerzen, aber dieses ständige Gefühl, dass jemand an Dir rumnuckelt, hat mich genervt. Also habe ich das Stillen als Mittel zum Zweck etabliert – nämlich, um den Hunger zu stillen. Trinken durfte sie solange sie wollte, aber sobald der Durst gestillt war, habe ich sie abgedockt. Ausnahmen gab es natürlich, wenn sie Trost brauchte, krank war oder einfach meine Nähe spüren wollte. Aber da wir ein sehr ausgeglichenes und gesundes Kind haben, kam das quasi nie vor. Damit war das Problem gelöst. Ein weiterer Punkt, an dem ich kurz zweifelte war, als unser Kinderarzt bei Greta eine Neurodermitis diagnostizierte. Neurodermitis? Ich dachte, Stilllkinder bekommen so etwas nicht. Keine Allergien, keine Hautprobleme, nichts. Tja, da hatte ich mich wohl geirrt. Aber gut, zu dem Zeitpunkt waren wir schon so in unserer Stillbeziehung etabliert, dass das natürlich kein Grund war, aufzuhören. Und außerdem akzeptierte sie ja auch nach wie vor keine Flasche und mein Baby musste ja essen. Stillen gehörte also zu unserem Leben wie das tägliche Zähneputzen und ganz offensichtlich liebte mein Baby das Stillen! Und auch ich liebte es nach wie vor, ihr dabei zuzusehen.

Aber nach etwa 5 Monaten fing es an. Ich wurde unruhig. Ursprünglich wollte ich nur 6 Monate stillen und dann langsam wieder anfangen, zu arbeiten. Ich wollte auch mal wieder romantische Abende mit meinem Mann verbringen oder vielleicht sogar mal ein ganzes Wochenende. Daran war aber natürlich nicht zu denken, so lange ich noch voll stille. Wie also sollte das denn bitte funktionieren? Das Thema Abstillen war ab dem Zeitpunkt bei mir omnipräsent. Während ich noch darüber redete, abstillen zu wollen hörten andere Mütter einfach auf. Aber immer, wenn ich nach Tipps fragte sagten sie mir, dass sie nachts eben den Schnuller geben und tagsüber die Milchmahlzeiten durch die Flasche ersetzen.

Super Tipps, denn meine Tochter nimmt beides nicht!

Ich wollte abstillen, wirklich! Aber ständig kam etwas dazwischen. Erst ein Urlaub und da ist Stillen doch so praktisch. Außerdem ist man so ja viel flexibler und muss keine festen Essenszeiten einhalten. Mein Baby liebt das Stillen doch so sehr, das kann ich ihr doch nicht einfach wegnehmen. Sie akzeptiert ja keine Flasche, was soll ich also machen. Und mit schlaflosen Nächten wollte ich mich auch nicht rumschlagen. Es gab also 100 Gründe, warum ich nicht aufhören konnte zu stillen und das zog sich über Monate – und so langsam war ich schon davon überzeugt, dass ich auch in 3 Jahren noch stillen würde. Bis zu dem Zeitpunkt vor ca. 3 Wochen, an dem ich beschlossen habe, jetzt wirklich etwas zu verändern. Ich habe angefangen, zu analysieren, welche Rahmenbedingungen überhaupt erfüllt sein müssten, um abstillen zu können und dabei kam mir immer wieder in den Sinn, was eine Freundin zu mir sagte:

Konsequenz ist das A und O, sonst klappt es nicht.

Und sie hatte recht. Solange ich meiner Tochter immer wieder aus Bequemlichkeit oder um doch einfach mal ein paar Minuten entspannt mit ihr auf dem Sofa sitzen zu können meine Brust anbot, hatte sie ja gar keinen Grund, darauf zu verzichten. Solange ich die festen Mahlzeiten nicht einhielt, weil es so viel praktischer war und ich viel flexibler meinen Tag gestalten konnte, machte ich sie natürlich von meiner Brust abhängig. Wenn ich ihr bei jedem Ton in der Nacht sofort meine Brust anbiete, damit sie möglichst schnell wieder einschläft anstatt mich damit auseinander zu setzen, warum sie eigentlich wirklich wach ist, wird sich auch daran nichts ändern. Also strukturierte ich unseren Tagesablauf um!

Zunächst einmal führte ich alle noch fehlenden Mahlzeiten ein und ersetzte ab sofort auch morgens und nachmittags die Milchmahlzeiten durch feste Nahrung. Sobald sie unruhig wurde habe ich sie nicht, wie sonst so oft, aus Bequemlichkeit einfach gestillt, sondern mich ganz intensiv mit ihr beschäftigt. Darauf hat sie so gut reagiert, dass wir schon nach 2-3 Tagen tagsüber komplett auf das Stillen verzichten konnten und sie auch gar kein Bedürfnis mehr gemeldet hat. Meine allergrößte Sorge allerdings war, dass sie am Abend ohne Stillen nicht einschläft und auch nachts ohne Stillen nicht weiterschläft – ich hatte mich also schon auf endlose schlaflose Stunden eingestellt. Um das nicht alleine durchstehen zu müssen und da mein Mann auch absolut pro Abstillen war, haben wir uns ein Wochenende ausgesucht, an dem ich das erste Mal versuchen würde, sie ohne Stillen zum Einschlafen zu bringen und wenn irgendwie möglich, ihr auch nachts nicht meine Brust anzubieten. Überraschenderweise war das gar kein Problem! Ich hatte schon ein paar Tage zuvor explizit darauf geachtet, dass sie auch wirklich satt ist bevor ich sie ins Bett bringe und vielleicht war sie an diesem Tag auch einfach ganz besonders müde, aber sie ist schon nach 10 Minuten ohne Stillen ganz entspannt eingeschlafen. Als sie in dieser Nacht wach wurde, war es zum ersten Mal tatsächlich nicht so leicht, sie wieder zum Einschlafen zu bringen, aber mein Mann hat diese Aufgabe grandios gemeistert.

Und was soll ich sagen… seit diesem Tag haben wir nie wieder gestillt und mein Baby schläft durch.

Damit möchte ich übrigens nicht sagen, dass nicht stillen gleich Durchschlafen bedeutet. Aber Greta war sowieso immer eine gute Schläferin (übrigens nach wie vor bei uns im Bett) und jetzt hat sie nachts eben einfach keinen Grund mehr, aufzuwachen. Aber in meinem ganzen Leben hätte ich niemals damit gerechnet, dass das Abstillen bei uns so unkompliziert verlaufen würde und ich bin sehr dankbar dafür, dass es für uns beide so entspannt ablief. Ganz offensichtlich war mein Kind genauso bereit dazu wie ich, unsere Stillbeziehung aufzugeben, denn sonst hätte es mit Sicherheit nicht so reibungslos und schnell geklappt. Jetzt so im Nachhinein vermisse ich das Stillen sogar manchmal ein wenig, aber dann erinnere ich mich wieder daran, dass ich 9 Monate lang meine ganze Energie mit unserem Baby geteilt habe und es einfach an der Zeit war, meinen Körper wieder zu übernehmen. Und mein Mann freut sich auch darüber.

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Janine George

  • Lisa

    Liebe Janine,

    Danke für deinen tollen ehrlichen Artikel. ich erkenne mich in dem Artikel wieder, war es doch für mich dann auf einmal auch zu praktisch alle Mahlzeiten einfach so dabei zu haben. Außerdem war manchmal der Gedanke daran, einfach aufzuhören kein guter, weil verweigern wollte ich Madame auf keinem Fall etwas. Bei uns war es dann so, dass sie nach und nach die abendliche Stillmahlzeit mal mehr, mal weniger wollte und von heute auf morgen war es dann ganz aus. Mit dem konnte und kann ich sehr gut leben.
    Unsere bzw. meine Stillgeschichte hab ich auf meinem Blog auch mal zusammengefasst: http://www.maunzimadame.com/2016/05/Langzeitstillen.html

    Liebe Grüße
    Lisa

    25. Juli 2016 at 8:27 AM Antworten

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  • Hello! Das bin ich Janine Aller guten Dinge sind 3hellip
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